Tebenikhin mit kraftvollem und dennoch lyrischem Spiel


Am 8. Mai in Bochum in der Jahrhunderthalle eröffnet, kam das Klavier-Festival Ruhr am Freitag auch in Dortmund an. Der in Moskau geborene kasachische Pianist Amir Tebenikhin begeisterte mit einem recht bunten Programm die Hörer im Amphisaal des Harenberg-Centers.

Wie gemacht war das Programm, um die unterschiedlichen Qualitäten des jungen Pianisten aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Tebenikhin begann mit Bachs Französischer Suite Nr. 5 (BWV 816): Klar, äußerst filigran gelang ihm hier die Linienführung, wobei der Pianist seinen in der Grundtendenz eher kräftigen Anschlag so einzusetzen weiß, dass die Tänze perlend, lyrisch und doch zugleich kraftvoll wirken. Zum Beispiel die Gigue am Ende der Suite, die der Pianist vorwärtsdrängend, im positiven Sinne nervig gestaltete.

Schumanns Sonate Nr. 3 op. 14 war eher dazu angetan, das Talent des Pianisten, unterschiedlichen Stimmungen nachzuspüren und sie auf die Tasten zu bannen, ins Rampenlicht zu rücken: So lebt die Interpretation des Kopfsatzes von den zahlreichen Kontrasten, die Tebenikhin hier sozusagen „ungebremst“ aufeinander prallen lässt, während er den dritten Satz gleichsam „singt“.

Bereits die vier Scherzi Chopins, die Tebenikhin nach der Pause spielte, waren dazu angetan, seine fulminanten virtuosen Fähigkeiten ins rechte Licht zu rücken – wobei er seine Virtuosität aber nie als Selbstzweck sieht. So lebte das erste Scherzo von beinah irrwitzig raschen Phrasen, während beim eher gravitätischen dritten wohl ein kleiner Kobold rasche Phrasen, glitzernd wie Sternenstaub, in den musikalischen Prozess mischte. Schließlich war es aber die Zugabe, die Toccata von Prokofjew, die die Zuschauer endgültig von den Sitzen riss ob der virtuosen Kapriolen – ein wunderbares Konzert.


Martina Lode-Gerke WAZ/WR  17. Mai 2010